Oktober 2007
Handwerkzeuge - Drehen, schrauben, sägen - kinderleicht? Von wegen!
Feilen sind zum Feilen da …
Die meisten mit Werkzeugen verbundenen Arbeitsunfälle passieren, weil die Werkzeuge zweckentfremdet werden. Da wird mal schnell der Schraubenschlüssel als Hammer benutzt und die Feile als Kistenöffner. Jedes Werkzeug ist jedoch nur für die Arbeiten gut, für die es konstruiert wurde. Die Auswahl des richtigen Werkzeuges beeinflusst unmittelbar die Arbeitsqualität und die Unfallgefahr. Deshalb:
- Zum Befestigen oder Lösen von Schrauben nur einen dazu passenden Schraubendreher verwenden und nicht die Klinge eines Taschenmessers.
- Den Schraubendreher nicht als Stemm-, Brech- oder Hebelwerkzeug missbrauchen.
- Einen Nagel mit einem Hammer einschlagen und nicht mit der Flachzange oder dem Griff eines Schraubendrehers.
Nicht improvisieren, wenn einmal das passende Werkzeug nicht zur Hand ist. Es lohnt sich, die kleine Mühe auf sich zu nehmen und es zu holen.
Ist auch nichts beschädigt?
Um sicher arbeiten zu können, müssen die Werkzeuge in gebrauchsfähigem Zustand erhalten werden. Doch auch das beste Werkzeug nutzt sich irgendwann einmal ab oder ist defekt. Deshalb gehören sowohl Reinigung und Pflege als auch Kontrolle und Reparatur des Werkzeuges zu den Aufgaben des Handwerkers.
- Hämmer: Sitzt der Hammerkopf fest? Passt der Stiel genau ins Hammerauge? Ist der Hammerstiel glatt, weder geflickt noch gespalten und frei von Öl und Fett? Sind die Fasen am Hammerkopf noch scharf oder müssen sie nachgeschliffen werden?
- Meißel: Ist der Meißelkopf frei von Gratstellen? Ist der Meißel noch scharf? Ist der Handschutz unbeschädigt?
- Feilen: Sitzt der Feilengriff fest? Ist er nicht gespalten oder defekt?
- Schraubendreher: Passt der Schraubendreher zur Größe
der Schraube? Sind die Kanten weder abgenutzt noch verbogen? Ist der Griff gerade und zeigt keine Risse? - Schraubenschlüssel: Passt die Schlüsselweite? Ist das Maul nicht aufgeweitet?
Auf Ergonomie achten
Bei Handwerkzeugen kommt es nicht auf ein „gestyltes“ Aussehen, sondern auf eine körpergerechte, das heißt ergonomische Gestaltung an. Das Werkzeug soll „gut in der Hand liegen“ und einem die Arbeit erleichtern. Im Wesentlichen hängt eine ergonomische Gestaltung davon ab, welche Form das Werkzeug hat, wie die Oberfläche der Griffe beschaffen ist und wie deren Winkelstellung zur Wirkungsachse des Werkzeuges aussieht.
Mit ergonomischem Handwerkzeug arbeitet man
- sorgfältiger und schneller
- mit geringerem Kraftaufwand
- mit geringerer Belastung von Muskeln und Sehnen
- mit geringerer Verletzungsgefahr.
Schadstoffe in Heimwerkerprodukten
Die Stiftung Warentest untersuchte 33 Werkzeuge aus verschiedenen Baumärkten und veröffentliche die Ergebnisse in der Aprilausgabe 2006. Beunruhigendes Ergebnis: Drei von vier Werkzeugen im Test waren stark oder sehr stark mit giftigen Weichmachern belastet. Die Giftstoffe fanden sich vor allem in Hammergriffen, Verlängerungsleitungen, Gipsbechern und in Griffen von Elektrogeräten.
Grund: Billige Kunststoffe werden oft mit Teerölen versetzt. Sie sollen Kunststoff und Gummi geschmeidig machen. Teeröle enthalten aber polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – kurz PAK. Die können Krebs erzeugen und das Erbgut verändern. Gesetzliche Grenzwerte für den PAK-Gehalt in Werkzeugen gibt es nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fordert, PAK in „verbrauchernahen Produkten“ so weit wie möglich zu reduzieren. Verdächtig sind Billigwerkzeuge mit Gummi- und Kunststoffteilen. Faustregel: Finger weg von Materialien, die schwarz, weich und billig sind. Denn ist das Werkzeug belastet, gilt: Die Weichmacher lösen sich beim Kontakt mit der Haut. Schweiß, Handcremes und fetthaltige Kosmetik verstärken den Effekt. Über die Haut gelangen PAK in den Körper.
Wer sichergehen will, sollte Markenwerkzeug kaufen – auch wenn das keine Garantie für weniger Schadstoffe ist. Mit dem Preis steigt aber umindest die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Herstellung nur ungiftige Weichmacher verwendet wurden.




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