
Februar 2008
Suchtverhalten: Da komm´ ich alleine nicht mehr raus
Wenn aus Gewohnheit Zwang wird
Im Prinzip kann man nach allem süchtig werden, was Spaß macht: Zucker, Koffein, arbeiten, joggen, Computer spielen und einkaufen. Die Rangliste wird allerdings immer noch von den klassischen stoffgebundenen Suchtmitteln wie Nikotin und Alkohol angeführt. Dann folgen Medikamente, Drogen und Schnüffelstoffe. Was heißt es eigentlich, süchtig zu sein? Und wie kommt man davon wieder los?Der 16-jährige Hauptschüler Sebastian zündet sich vor dem Eingang seiner Schule eine Zigarette an und gibt sich betont lässig: „Klar war ich schon oft besoffen. Macht doch Spaß, sich am Wochenende mit Freunden so richtig abzuschießen. Das machen alle in meiner Clique, auch die Mädels.“ Angst, irgendwann mal alkoholabhängig zu werden? „Quatsch. Ich kenne so viele Erwachsene, die trinken, die sind ja auch nicht alle Säufer und enden in der Gosse.“
Spaß haben, Lust empfinden, es sich einfach so richtig gut gehen lassen: Der Wunsch nach alldem ist nur allzu menschlich – und ohne ihn gäbe es keine Sucht. Denn die ist immer auch eine Suche nach etwas, das unser Leben schöner macht. Wenn dieser Wunsch sich selbstständig
macht, wenn er übermächtig wird und wir ihn nicht mehr kontrollieren können, dann entsteht Sucht.
Sucht ist das Gegenteil von Freiheit
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es vier Anzeichen für eine Sucht:
- Ein unwiderstehliches Verlangen, etwas Bestimmtes immer wieder zu tun oder zu konsumieren
- Seelische und/oder körperliche Abhängigkeit vom Suchtmittel
- Eine Tendenz, die Dosis zu steigern
- Das Auftreten von Entzugserscheinungen.
Eine Sucht beginnt niemals plötzlich, sondern sie entwickelt sich. Es ist ein fließender Übergang vom Genuss zur Gewohnheit und dann zur Abhängigkeit. Nach einer Weile geht es nicht mehr darum, ein Hochgefühl zu erreichen, sondern nur noch darum, unangenehme Gefühle zu vermeiden.
Woran erkenne ich, ob ich süchtig bin?
Eine Sucht hat sehr wahrscheinlich bereits begonnen, wenn jemand
- nicht mehr zwei Wochen lang ohne einen bestimmten Stoff
oder ein bestimmtes Verhalten auskommt - immer wieder an den Stoff bzw. das Verhalten denken muss
- oder zwischendurch eine regelrechte Gier danach entwickelt
- die Dosis steigert, um das Gleiche zu empfinden wie anfangs
- seine Lebensgewohnheiten für das Suchtmittel ändert. Also zum Beispiel plötzlich mit einer Drogenclique herumzieht oder kaum noch Freunde trifft, weil er lieber im Internet surft
- sich und anderen etwas vormacht: Zigaretten schnorren, Flaschen verstecken oder schummeln bei der Frage, wie oft und wie lange man online geht.
Sebastians Klassenkameradin Nicole kann diese Einschätzung bestätigen. „Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu rauchen. Fand ich cool. In der ersten Zeit habe ich nur abends mal eine und am Wochenende beim Feiern geraucht – als Genuss, so zum Entspannen. Dann habe ich jeden Tag geraucht und mittlerweile denke ich schon morgens nach dem Aufstehen an meine erste Zigarette vor der Schule. Mir würde es ganz schön schwer fallen, ganz aufzuhören.“




![[Logo] www.jugend-arbeitsschutz-preis.de](/images_nextline/JAZ_Farbe.gif)

