
Dezember 2009
Kein Job für Frostbeulen
Klirr, bibber, frier: Wer sein Brot tagtäglich bei zweistelligen Minusgraden verdient, braucht mehr als nur warme Stricksocken von der Oma. Next-Reporterin Miriam Becker wagte sich in ein Kühlhaus.„Nach drei Tagen weiß man, ob einem das liegt“, berichtet Günter Koob. „Wer bis dahin nicht vor der Kälte kapituliert, bleibt uns in der Regel lange erhalten.“ Koob ist Leiter der Heppenheimer Niederlassung der Markt- und Kühlhallen Aktiengesellschaft (MUK Logistik). Alle dort gelagerten Güter – von Tiefkühlpizza bis zu Blutplasma – mögen’s richtig kalt: In den fünf Lagerhallen herrschen minus 23 bis minus 29 Grad Celsius. 18 Mann arbeiten hier in Früh- und Spätschicht als Expedienten, Staplerfahrer und Kommissionierer, drei weitere sind für die Kältetechnik zuständig.

© Schuppelius
Seit mehr als 25 Jahren
professioneller Kälte-
arbeiter: Günter Koob
von MUK Logistik in
Heppenheim
Temperaturunterschiede von 50 Grad Auch wenn die „Männer im Eis“ (Frauen gibt es so gut wie keine in der Branche) ihr Temperaturempfinden als ganz normal einstufen, fängt der Laie schon am Eingang des Kühlhauses an zu frösteln – trotz dicker Daunenjacke. Tatsächlich wird bei wärmeren Außentemperaturen bereits die Rampe am Eingangsbereich gekühlt, um beispielsweise die Gefahr von Vereisungen an Türen zu verhindern, die dann nicht mehr richtig funktionieren. „So schwächen wir das Temperaturgefälle zwischen drinnen und draußen ab. In den heißen Monaten kann der Unterschied schon mal 50 Grad Celsius betragen“, erklärt Koobs Stellvertreter Michael Chojnacki. Einem solchen Temperaturschock sind die Mitarbeiter allerdings nur selten ausgesetzt. Die Hauptarbeit, das Verladen der Tiefkühlwaren, läuft über spezielle Andockstellen, damit die Ware immer kalt bleibt und die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Die Mitarbeiter sind im Kühlhaus, den ebenfalls gekühlten Rampen und Laderäumen der Laster zugange. Auch die Kommissionierer halten sich ausschließlich in der Kälte auf.
Von wegen OstfriesennerzLaut Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, für die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten in widriger Umgebung zu sorgen. Im Klartext heißt das: Er muss bei Bedarf die richtige Arbeits- und Schutzkleidung zur Verfügung stellen. Ostfriesennerz und Stricksocken sind für die Arbeit in Kühlhäusern definitiv keine akzeptable Lösung. Als Arbeitnehmer hat man das Recht auf moderne, funktionelle Schutzkleidung, die ausreichend wärmt, atmungsaktiv ist, aber auch genug Bewegungsfreiheit für die Arbeit lässt.

© Schuppelius
Mit dieser Kälteschutz-
kleidung können
sich die Mitarbeiter
in wärmeren Bereichen
– wie auf der Rampe –
kurzfristig lockermachen:
Überjacke und Seiten-
schlitze der Hose auf
Es kommt auf die richtige Kleidung an Wie man das aushält? Mit der richtigen Kleidung: gesteppte Unterziehjacke und -hose, eine weitere Lage zum Drüberziehen. Die Überhose ist am Bein mit Reißverschlüssen versehen. Zur Standardausrüstung, die komplett der Arbeitgeber bereitstellt, gehören Helm, Stiefel und Handschuhe, allesamt fellgefüttert.




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