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Leiter

Januar 2005

Leitern: Schritt für Schritt in Richtung Himmel

Wer zum Arbeiten auf eine Leiter steigen muss, hat ein nicht unerhebliches Unfallrisiko. 40.000 Abstürze von Leitern pro Jahr zeigen deutlich: So einfach scheint der Schritt von Sprosse zu Sprosse nicht zu sein.



Ran, rauf, runter, autsch!


Mit Leitern passieren richtig viele und schwere Unfälle. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, erklärt Dipl.-Ing. Wilfried Zimmermann von der Tiefbau-Berufsgenossenschaft.

Next: Herr Zimmermann, Sie kennen von ihren Betriebsbesichtigungen den Berufsalltag auf Baustellen und in Betrieben genau. Welche Unfälle passieren denn mit Leitern am häufigsten?

Zimmermann:
Man vermutet ja, dass die Leute eher aus großen Höhen mit der Leiter umkippen oder abstürzen, das ist aber falsch. Die meisten Unfälle sind Stürze aus ein bis zwei Metern Höhe.


Und wieso?

Weil diese vermeintlich „geringen“ Höhen nicht ernst genommen werden. Jeder denkt, er könne im Falle eines Falles noch schnell abspringen. Bei großen Höhen fühlt man sich dagegen selbst schnell unsicher und passt automatisch besser auf. Da funktionieren die eigenen Alarmsignale des Körpers besser.


Das heißt also, viele Unfälle passieren aus Leichtsinn?

Im Prinzip ja. Die Leitern werden auf ungeeignete Unterlagen oder auf unebene Standflächen gestellt und stehen einfach nicht sicher. Wenn dann noch – und das passiert wirklich oft – von der Leiter aus mit stark zur Seite gebeugter Körperhaltung gearbeitet wird, kippt die Leiter natürlich schnell um. Und das auch schon in geringen Höhen.
Außerdem gibt es zahlreiche Absturzunfälle wegen beschädigter Holme und Sprossen oder weil leiterartige Gebilde selbst gebaut und falsch benutzt werden.


Die beiden häufigsten Leiterarten sind Steh- und Anlegeleitern. Welche Leiter sollte man denn für welchen Zweck einsetzen?

Anlegeleitern benutzt man für so genannte kurzfristige und leichte Arbeiten bis zirka sieben Meter Höhe und für Aufstiege bis zirka fünf Meter Höhe. Man braucht für Anlegeleitern einen zweiten Stützpunkt und sollte sie unbedingt gegen Wegrutschen oder Umkippen sichern.
Stehleitern haben dagegen den Vorteil, dass sie frei stehend verwendet werden können. Bei ihnen muss man allerdings darauf achten, dass die Spreizsicherung funktioniert. Nur dann stehen sie sicher. Aber auch für Stehleitern gilt: Nur für kurzfristige und leichte Arbeiten verwenden. Ansonsten müssen Gerüste eingesetzt werden, die eine höhere Standsicherheit und eine ausreichend große Arbeitsfläche haben, um den Arbeitern mehr Sicherheit zu bieten.
Übrigens, noch mal zu den Stehleitern: Eine ganz beliebte Unart ist das „Spazierengehen“ mit Stehleitern. Sie werden dann quasi als Stelzen benutzt und das geht oft schief!


Es gibt Leitern aus Aluminium und Holz – was ist denn die bessere Wahl?
Beides hat Vor- und Nachteile: Holz ist rutschsicherer und griffiger als Aluminium, dafür aber schwerer. Aluminium ist unempfindlich gegen Feuchtigkeit und eindeutig pflegeleichter.


Woran erkennt man denn, ob eine Leiter Schäden hat und man sie nicht mehr benutzen darf?

Indem man genau hinsieht und auf offensichtliche Schäden an den Holmen und Sprossen achtet. Wer tiefe Kerben und Risse im Holz oder Verbiegungen und Brüche im Metall entdeckt, sollte von dieser Leiter die Finger lassen und die Schäden seinem Vorgesetzten melden.


Ist das nicht auch ein Grund dafür, dass Holzleitern keine deckenden Anstriche haben sollen?

Ganz genau, man kann dann nämlich Beschädigungen nur schwer und Fäulnisstellen oft nicht rechtzeitig erkennen.


Damit eine Leiter nicht wegrutscht oder gar nach hinten überkippt, muss man sie in einem bestimmten Winkel anlehnen. Wie findet man diesen Anstellwinkel am besten heraus?

Das ist gar nicht so schwer. Der Anstellwinkel liegt bei Anlegeleitern um die 70 Grad und man kann ihn recht einfach mit der „Ellenbogenmethode“ überprüfen. Dazu stellt man sich seitlich mit einem Bein gegen die unterste Sprosse und streckt zur gleichen Seite den angewinkelten Arm aus. Berührt nun die Ellenbogenspitze den Leiterholm oder eine Sprosse, ist der Anlegewinkel in Ordnung.


Man liest immer, dass man von Stehleitern aus auf gar keinen Fall auf höher gelegene Standorte hinüber steigen darf. Warum eigentlich nicht?
Weil durch das Übersteigen seitlich Kräfte auf die Leiter wirken und dadurch die Stehleiter leicht umkippen kann.


Was sind Ihre besten Tipps, um Leiterunfälle zu vermeiden?

Wichtig ist natürlich, die richtige Leiter für die jeweilige Arbeitsaufgabe auszuwählen und vor dem Arbeiten die Leiter auf Mängel hin zu überprüfen. Beim Arbeiten dann darf man auf keinen Fall die Leiter überlasten und sollte all die anderen Sicherheitstipps beachten, die wir hier besprochen haben.




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